Senioren beim Sport

Jeder, der aufhört zu lernen, ist alt, egal, ob das mit zwanzig oder mit achtzig ist. Wer lernt, bleibt jung. Denn die grösste Sache im Leben ist es, den eigenen Geist jung zu halten. Das hat schon Henry Ford einst gesagt. Solche Gedanken lasse ich auch oft in meine tägliche Arbeit als private Seniorenbetreuerin einfliessen.

Lesen Sie hier das Interview zum Thema «Alt bleibt fit» mit meiner Kundin Elisabeth Meier.

Alt bleibt fit oder Alt bleibt jung? Welche Aussage stimmt für Sie?

Die Formulierung «Alt bleibt jung» stimmt nicht ganz für mich. Alte Leute bleiben nicht jung, und das sollen sie auch nicht. Die Tendenz, dass Alte sich mit Jungen «messen» sollen, wird die Alten immer zu Verlierern machen. «Alt bleibt fit» finde ich viel besser.

Lebenserfahrene Menschen halten heute in der Regel länger am Jugendlichkeitsideal fest als früher. Sie gehen mehr zum Coiffeur, pflegen sich oder bewegen sich mehr. Können Sie das bestätigen?

Sich zu pflegen und freundlich zu sich zu sein sind wichtige Voraussetzungen im Bestreben, sich wohlzufühlen. Nicht um einem Jugendlichkeitswahn nachzueifern, sondern um in der Gegenwart zu leben, Veränderungen zu akzeptieren, täglich von neuem das Schöne zu sehen, alles bewusst wahrzunehmen und dankbar zu sein.

Ihre Generation hatte (vor allem nach dem Krieg) andere Voraussetzungen für die Zukunft. Wie hat Sie das geprägt?

Alte Menschen haben lange Lehrjahre hinter sich, sie haben Erfahrungen gesammelt, Entscheidungen getroffen, sie haben viele Erinnerungen und Erlebnisse, gute und auch schmerzliche, die sie überstanden und aus denen sie gelernt haben und an denen sie gereift sind. Alle diese Qualitäten sollten gewürdigt und gepflegt werden.

Hat es die heutige Jugend besser?

Die Jugend hat andere Ziele und Möglichkeiten. Aber man soll das Alter auch nicht unterschätzen.

Wie steht es mit der Lebenserwartung dieser Generation?

Alt sein kann sehr schön sein, wenn man die schönen Dinge geniessen lernt und Freude am Leben hat. Es gibt für die Senioren ja unzählige Möglichkeiten, sich fit zu halten. Es ist sehr wichtig, dass man lernt, sich viel Gutes zu tun. Dies ist für die Generation, die den Krieg noch erlebt hat, gar nicht so einfach. Man hat in dieser Zeit (als Kind) lernen müssen, sich einzuschränken und keine grossen Ansprüche zu stellen, man musste sparen und bescheiden sein. Das alles hat diese Generation stark geprägt.

Wer heute in Pension geht, hat mehr Lebenszeit als seine Eltern oder Grosseltern. Was macht die Generation 65+ aus?

Die heutige Generation 65+ ist tatsächlich noch sehr fit und unternehmungslustig. Viele Senioren möchten ihre Zeit nutzen, um ihre Freizeitbeschäftigungen und Hobbys weiterzupflegen oder gar zu intensivieren, auch um Neues zu erfahren.
Während der Berufstätigkeit und dem Familienleben blieb oft nicht genug Zeit, um persönlichen Interessen nachzugehen. Die heutige Generation hat auch viel mehr Möglichkeiten, auch im finanziellen Bereich. Meine Grosseltern konnten sich keine Reisen leisten, sie hatten nur kleine Renten oder gar keine und auch keine Ersparnisse. Dabei wären sie gerne auf Reisen gegangen.

Wie wichtig ist die Gemeinschaft mit jüngeren Menschen, und wie wirkt sich das auf das Wohlbefinden aus?

Die Gemeinschaft mit jüngeren Menschen hat natürlich einen belebenden Einfluss auf ältere Menschen, aber es braucht viel gegenseitiges Verständnis und Entgegenkommen. Und ältere Menschen sollen nicht in Konkurrenz treten zu jungen; ich habe jüngere Freunde, die klettern, und ältere, die musizieren.

Mich dünkt, dass Menschen im pensionierten Alter öfters gestresst sind oder noch weniger Zeit haben als damals, wo sie berufstätig waren. Täuscht mein Eindruck?

Vielleicht ist das Wort «gestresst» die falsche Aussage. Ältere Menschen sind nicht mehr so belastbar und bei mehreren Terminen pro Woche oft – aber nicht immer – überfordert mit so vielen Verpflichtungen. Dann gibt es ganz viele Seniorinnen und Senioren, die sich endlich ihre Wünsche erfüllen möchten und tatsächlich weniger Zeit haben als vorher. Oder sie wollen sich einfach nicht mehr zu für sie Unwichtigem verpflichten lassen, zum Beispiel zum Enkel Hüten oder dazu, sogenannte «Pflichttermine» wahrzunehmen.

Wie wichtig ist Sport und/oder Freizeit-Aktivität in diesem Lebensabschnitt?

Aus meiner Sicht ist Bewegung weiterhin sehr wichtig und mindert Altersbeschwerden. Ich betreibe regelmässig Sport oder gehe mit Freunden spazieren in der Natur. Zudem bin ich aktiv in einer Theatergruppe tätig und reise noch oft mit dem Zug in verschiedene Richtungen.

Und zum Schluss: Gibt es einen Tipp oder ein Geheimrezept, wie man möglichst lange fit bleibt?

Was man nie tun sollte: das Interesse an der Vielfalt der Umgebung verlieren, aufhören, sich zu wundern, aufhören zu lernen.

Liebe Frau Meier, vielen lieben Dank für das interessante Interview und die vielen guten Tipps.

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