Betreuung und Pflege Angehöriger – oder wenn die Kinder zu den Eltern werden

Betreuung und Pflege Angehöriger – oder wenn die Kinder zu den Eltern werden? Der Wandel der Gesellschaft mit gestiegener Lebenserwartung bringt für uns alle grosse Herausforderungen mit sich. Denn die eigentlich besseren Lebensumstände führen auch zu neuen Beziehungskonstellationen – und damit zu neuen Aufgaben, sowohl für die erwachsenen Söhne und Töchter als auch für die alten Eltern.

So kann ein Sturz, eine schwere Krankheit oder altersbedingte Verwirrung erwachsene Kinder plötzlich mit vielen völlig neuen Fragen konfrontieren. Man muss sich damit beschäftigen, wie es mit den betagten Eltern weitergehen soll. Und es beginnt eine Zeit, wo sich Verantwortung und Fürsorge zwischen Kind und Eltern umkehren. Eine grosse Bewährungsprobe für alle Betroffenen.

Die Zahlen sind beeindruckend – und wachsen an

Immense Leistung durch Angehörige: 2013 leisteten Angehörige in der Schweiz 64 Millionen Stunden Betreuungs- und Pflegearbeit für Verwandte. Bei einem Ansatz von 57 Franken pro Stunde entspricht dies einem Wert von 3,6 Milliarden Franken. Im Vergleich dazu erbrachten alle Spitex-Organisationen zusammen Leistungen im Wert von 1,93 Milliarden Franken. Diese Zahlen dürften inzwischen noch wesentlich angestiegen sein, hat doch seither sowohl die Lebenserwartung als auch die Bevölkerungsgrösse weiter zugenommen. ((Quelle http://gutaltern.ch/wp-content/uploads/2018/03/PSS_Broschuere_Gute_Betreuung_dt_180312.pdf ))

Doch muss man überhaupt Eltern betreuen?

Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich meine Eltern nicht pflegen und betreuen will? Das höre ich in meiner Tätigkeit als private Seniorenbetreuerin öfters. Ich versuche dann jeweils, die erwachsenen Kinder oder Angehörigen zu beruhigen. Eltern haben nicht automatisch Anspruch auf Betreuung und Pflege durch Kinder oder Angehörige. Oftmals ist es halt so, dass diese voll berufstätig sind, zu wenig Zeit haben oder zu weit weg wohnen (z.B. im Ausland). Und es kann durchaus auch von Vorteil sein, wenn externe Betreuungs– und Pflegedienste eingesetzt werden. Diese können zeitlich ganz auf die Wünsche der älteren Menschen eingehen. Familienkonflikte oder Unklarheiten bei der Aufgabenverteilung sind so von vornherein ausgeschlossen.

Wichtig ist einfach, dass Familienangehörige in den Prozess mit einbezogen werden und weiterhin eine wichtige Anlaufstelle für ihre Eltern sind.

Eine Philosophin erklärt die Pflichten von Kindern gegenüber Eltern

Noch einmal: Bricht man ein Tabu, wenn man sich nicht um seine Eltern kümmern will? Die deutsche Philosophin Barbara Bleisch sagt: Nein, nicht unbedingt. Und sie erklärt, welche Pflichten Kinder dennoch haben. Ihre Gedanken geben im positiven Sinn zu denken. Hier ein Ausschnitt aus einem Interview auf «ZEIT Campus ONLINE» vom 19. Februar 2018:

ZEIT Campus ONLINE: Frau Bleisch, wenn mein Vater morgen durch einen Unfall plötzlich pflegebedürftig oder meine Mutter schwer krank würde – muss ich mich dann um sie kümmern?

Barbara Bleisch: Auf jeden Fall nicht, weil sie deren Sohn oder Tochter sind. Kinder müssen ihren Eltern nichts zurückgeben, weil diese sie aufgezogen oder ihnen das Leben geschenkt haben. Diese Sichtweise hat zwar eine lange philosophische Tradition. Mich überzeugt sie aber nicht.

ZEIT Campus ONLINE: Was ist Ihre Sicht?

Bleisch: Kind zu sein ist keine Erbschuld, mit der wir auf die Welt kommen und die wir gegenüber den Eltern begleichen müssten. Allein weil sich die Eltern um ihr Kind gekümmert haben, als es klein war, muss das Kind sich im Alter nicht um seine Eltern kümmern.

ZEIT Campus ONLINE: Wieso?

Bleisch: Das Kind konnte in diese Fürsorge und selbst ins Leben nicht einwilligen. Und Eltern zu sein, heisst nun einmal, sich um sein Kind auch zu kümmern. Allein dafür, dass andere ihrer Pflicht nachkommen, müssen wir ihnen nichts zurückgeben oder dankbar sein. Viele Kinder empfinden dennoch Dankbarkeit, weil ihre Eltern etwa besonders liebevoll waren. Daran ist nichts falsch, im Gegenteil! Aber es ist nicht Ausdruck einer Pflicht, sondern Ausdruck einer gelungenen Beziehung.((Quelle https://www.zeit.de/campus/2018-02/familie-eltern-pflege-schuld-philosphie-interview ))

Interessante Artikel zum Thema Betreuung und Pflege Angehöriger:

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/politische-auftraege-und-aktionsplaene/aktionsplan-pflegende-angehoerige.html
https://www.srf.ch/news/schweiz/pflegende-angehoerige-wo-finden-betreuende-entlastung
https://www.srf.ch/sendungen/puls/koennen-mich-meine-eltern-fuer-betreuung-anstellen

2020-03-04T08:12:37+00:00

Über den Autor:

Christine Thaddey
Ich bin private Seniorenbetreuerin und ganz nach Wunsch meiner Kundinnen und Kunden Buchhalterin, Chauffeuse, Eventmanagerin, Köchin, Sekretärin, Unterhalterin und noch viel mehr. Rufen Sie mich gleich jetzt an 041 810 01 18 oder schreiben Sie mir ein E-Mail. Sagen Sie mir ungeniert, wo Sie persönlich der Schuh drückt und ich zeige Ihnen gerne, wie ich Ihnen bei kleineren und grösseren Problemen helfen kann.

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