Was bereut oder vermisst man im letzten Lebensabschnitt am meisten?

Älterer Mensch am Klavier spielen

Würden ältere Menschen oder solche in ihrem letzten Lebensabschnitt etwas anders machen, oder gibt es etwas, das sie so richtig bereuen? Solche Fragen stelle ich mir selber sehr oft. In meiner täglichen Arbeit als private Seniorenbetreuerin habe ich dieses Thema schon häufig angesprochen. Und bin über die Antworten doch immer wieder sehr erstaunt.

Was ich in vielen Fällen zu hören bekomme: «Ich bereue nichts, denn ich kann es eh nicht mehr ändern, und so oder so war ich jeweils um eine Erfahrung reicher.» Aber es gibt schon Sachen, die man lieber nicht gemacht hätte. Aussagen, die man lieber nicht getätigt hätte. Entscheidungen, die man heute anders treffen würde. Es folgt eine kleine Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

«Mein Netzwerk ist klein geworden.»

Diese Aussage höre ich ganz oft von älteren Leuten. Und das hat mehrere Gründe. Zum Teil sind die Partner bereits verstorben, und die Kinder oder Enkel haben keine Zeit für Gespräche oder Besuche. Senioren, die einst beruflich sehr engagiert waren, hatten einfach keine Zeit gehabt, vor dem Rückzug ins Privatleben ein grösseres Netzwerk aufzubauen. Das war früher auch aus zeitlichen und wirtschaftlichen Gründen nicht so gut möglich wie heute. Im Alter fehlt dann das Beziehungsnetz, was zu Einsamkeit führen kann.

Mehr Mut, um Gefühle auszudrücken, und Zeit für mehr Liebe.

«Wir hatten von unseren Eltern nicht gelernt, unsere Gefühle auszudrücken oder viel Zeit in die Liebe zu investieren.» Auch das höre ich manchmal von Seniorinnen und Senioren – und, im selben Kontext: «Das lernen junge Leute heute viel besser. Entweder durch ihre Eltern oder durch die Gesellschaft. Aber heute ist alles auch übertrieben, und die Scheidungen zeigen es: Viel besser als früher ist es auch nicht geworden.»

«Ich hätte gerne ein Musikinstrument gelernt.»

Ein Reuegefühl verspüren viele Senioren beim Versäumnis, nie Klavier spielen gelernt zu haben. Oder wegen der Unmöglichkeit, überhaupt ein Instrument lernen zu dürfen: «Diesen Wunsch konnte ich mir nie erfüllen.» «Das war zu meiner Zeit einfach ein zu teures Hobby.» «Gerne wäre ich ein grosser Solist geworden und auf den grossen Bühnen gestanden.»

«Ich lebte zu wenig mein eigenes Leben.»

Bereut wird natürlich auch eine eigentlich sehr positive Eigenschaft, die das Zusammenleben in unserer Gesellschaft überhaupt erst ermöglicht. Aber nicht immer können sich ältere Menschen eben nur darüber freuen, früher selbstlos gehandelt zu haben: «Ich neigte dazu, immer die Erwartungen anderer zu erfüllen, die Erwartungen der Eltern, der Geschwister, der Verwandtschaft, der Freunde.» «Mein Leben richtete ich jahrelang nach den Bedürfnissen anderer aus und merkte oft selbst nicht, dass dies der Grund für mein Unglücksein war.» «Sogar als auch meine Ehe zerbrach, sorgte ich mich immer noch mehr um die anderen als um mich.»

«Ich bereue oder vermisse gar nichts.»

Wie bereits erwähnt, höre ich aber am Ende, nach meiner Betreuung, auch ganz oft Aussagen wie diese: «Wirklich bereuen tue ich nichts in meinem Leben, auch wenn ich länger darüber nachdenke.» «Es war alles gut so, wie es war.» Über solche Antworten bin ich aber ehrlich gesagt am meisten erstaunt. Denn unsere heutige Seniorengeneration, die so genannte «Kriegsgeneration», hat ja bekanntlich in vielen Fällen ein einfaches und hartes Leben hinter sich.

2019-10-29T16:13:21+00:00

Über den Autor:

Christine Thaddey
Ich bin private Seniorenbetreuerin und ganz nach Wunsch meiner Kundinnen und Kunden Buchhalterin, Chauffeuse, Eventmanagerin, Köchin, Sekretärin, Unterhalterin und noch viel mehr. Rufen Sie mich gleich jetzt an 041 810 01 18 oder schreiben Sie mir ein E-Mail. Sagen Sie mir ungeniert, wo Sie persönlich der Schuh drückt und ich zeige Ihnen gerne, wie ich Ihnen bei kleineren und grösseren Problemen helfen kann.

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