Älterer Mann beim Schlafen Bild-ID96936137

Im höheren Alter verändert sich der Schlaf deutlich. Viele ältere Menschen bemerken, nicht immer auf angenehme Art, dass sie anders schlafen als früher. Doch keine Sorge – das ist meistens «völlig normal». Es hängt ganz einfach mit den biologischen und psychischen Veränderungen zusammen, die wir alle im Verlauf unseres Lebens, und gerade in dessen Spätphase, erfahren. Hier nun eine kurze Exkursion in die Welt des veränderten Schlafs und wie er sich auf uns auswirkt (wie immer ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Mit dem Tiefschlaf ist es nicht mehr weit her

Es erscheint schon ein wenig ungerecht: An Jahren nehmen wir stetig zu, doch der Tiefschlaf, der nimmt ab. Das heisst, er wird leichter und störanfälliger, man wacht durch Geräusche oder Bewegungen schneller auf. Folglich kommt auch das Gefühl, «nicht richtig ausgeschlafen zu haben», häufiger vor. Kurz: Ältere Menschen schlafen oft unruhiger und weniger lang als jüngere Menschen.

Und deshalb gilt – nicht nur für sie, sondern grundsätzlich für alle: Wir sollten versuchen, jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit schlafen zu gehen und aufzustehen, auch am Wochenende. Dadurch wird der eigene Körper auf einen regelmässigen Schlafrhythmus eingestellt, der die Schlafqualität verbessern kann. Beim Zubettgehen ist zudem zu beachten, dass Fernsehen, Smartphone und Tablet mindestens ein Stunde vorher abgeschaltet sind. Fernsehen vor dem Schlafengehen behindert die Erholung, da das Gehirn durch Licht und Inhalte überstimuliert wird. Auch gilt es, das in Kaffee, Tee und einigen anderen Getränken enthaltene Koffein zu meiden, denn diese Substanz kann den Schlaf erheblich stören. Wobei dieser Hinweis bei vielen Seniorinnen und Senioren wohl unnötig ist. Ich jedenfalls kenne unter meiner Klientel niemanden, der oder die nach dem Nachmittag noch Kaffee trinkt. (Schlechte) Erfahrung macht eben auch im Alter klug!

Nachts öfter aufzuwachen ist nichts Ungewöhnliches

Wie schon im Abschnitt oben angetönt: Ältere Menschen schlafen deutlich weniger durch als jüngere. Einer der Gründe dafür kann sein, dass einen die Blase (Nykturie) drückt – man hat häufiger Harndrang. Auch chronische (d.h. andauernde) Schmerzen, z.B. in den Gelenken, können einem den Schlaf rauben oder zumindest stören. Und nun denken wahrscheinlich viele: Dann nimmt man eben Medikamente! Doch diese können ebenfalls das Schlafen beeinträchtigen. Zwar gibt es viele spezielle Schlafmittel, die sedierend, also beruhigend, wirken und das Einschlafen fördern können. Doch haben zahlreiche andere Arzneimittel die unangenehme Nebenwirkung, den Schlaf zu stören. Und ja: Je nach geistiger und körperlicher Verfassung einer Seniorin oder eines Seniors sind Phasen mit leichterem Schlaf eben einfach unausweichlich. Am besten, man stellt sich schon einmal darauf ein.

Die Schlaflosigkeit hat ihre eigenen Phasen

Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen können sich ältere Semester auch einhandeln, wenn sie ihren Schlaf-Wach-Rhythmus nicht (mehr) an dem natürlichen Kreislauf der Erde anpassen. Hält man sich nicht an die Abfolge von Tag und Nacht, dann kommt es zu sogenannten «zirkadianen» Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen. Oder, anders ausgedrückt: «Die innere Uhr» gerät durcheinander. Meine Erfahrung aus fast zehn Jahren Seniorenbetreuung zeigt, dass viele ältere Menschen gerne kurze Mittagsschläfchen machen. Und das ist gut so. Denn zu lange Nickerchen können den Nachtschlaf verschlechtern oder das Einschlafen abends erschweren. Davon höre ich zum Glück eher selten. Seniorinnen und Senioren schlafen zudem auch schlechter, wenn irgend etwas sie beschäftigt, das sie noch nicht verarbeitet und/oder besprochen haben. Auch produziert unser Hirn das «Schlaf-Hormon» Melatonin (Schlafhormon) im Alter weniger – eine an und für sich normale Veränderung. All diese Faktoren können, einzeln oder gemeinsam, bei älteren Menschen zu Schwierigkeiten mit dem Einschlafen und einem instabilerer Schlafrhythmus führen. Doch nun wissen wir, dass diese Probleme alle eine Ursache haben und viele auch behandelbar sind. Das allein führt vielleicht noch nicht zu einem guten Seniorenschlaf. Aber es beruhigt einen doch schon etwas. Und damit wünsche ich allen, ob alt oder jung, eine gute Nacht!

Hier noch ein paar nützliche Links zum aktuellen Themenbereich:

Schlaf im Alter
Chronische Schlafstörung bewältigen
Dieses Buch ist zum Einschlafen
Schweizerische Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie (SSSSC)
Anerkannte Schlafzentren