
Die positive Wirkung von Haustieren auf ältere Menschen ist bekannt, und ich kann sie in meinem Berufsleben als private Seniorenbetreuerin öfters erleben. Denn es ist halt schon so: Kommt man ins Renten-/Seniorenalter, verändern sich die Lebensumstände oft grundlegend – berufliche Aufgaben fallen weg, der Freundeskreis wird kleiner, körperliche Einschränkungen nehmen zu. Und manchmal wächst auch die Einsamkeit. In dieser Lebensphase gewinnen Haustiere für viele Menschen eine besondere Bedeutung. Tierische Begleiter sind im Alter aber mehr als nur Gesellschaft – sie werden oftmals zu Gefährten oder zu therapeutischen Partnern.
Denn sie sind emotionale Anker und Sozialpartner
Viele ältere Menschen erleben nach der Pensionierung oder dem Verlust eines Partners eine Phase möglicher sozialer Isolation, wie Fachleute es ausdrücken. Einfacher ausgedrückt: Diese Menschen drohen zu vereinsamen. Um dies zu verhindern, kann hier ein Haustier eine zentrale Rolle spielen. Ein Hund (oder auch eine Katze) benötigt Aufmerksamkeit, reagiert auf Stimme und Berührung und vermittelt einem das Gefühl, gebraucht zu werden. Denn Tiere müssen an die frische Luft und gefüttert werden. Gerade Menschen, die Schwierigkeiten haben, über Sorgen zu sprechen, öffnen sich emotional gegenüber Tieren oft leichter, können also besser ihre Gefühle zeigen.
Denn sie geben dem Alltag Struktur
Im Alter verlieren oder vergessen viele Menschen ihre festen, über Jahrzehnte eingespielten Tagesabläufe. Ein Haustier bringt hier automatisch den Rhythmus zurück. Es beginnt damit, dass man seinen Schützling regelmässig füttert. Eine weitere Aufgabe, wenn es sich um einen Hund handelt: Man geht mit ihm an die frische Luft. Damit fördert man zugleich auch die eigene Bewegung. Gerade bei etwas übergewichtigen Seniorinnen oder Senioren kann dies den angenehmens Nebeneffekt mit sich bringen, dass sie beim gemeinsamen Auslauf an Gewicht verlieren. Besonders Hunde fördern dabei die Routine: Sie müssen morgens einfach raus – unabhängig von der Motivation (von «Herrchen» und «Frauchen») oder vom Wetter. Dadurch entsteht eine natürliche Verpflichtung, die Aktivität fördert und Passivität verhindert. Die Pflege des eigenen Haustieres stärkt zugleich das Verantwortungsgefühl – und seine Beobachtung fördert die Aktivierung.
Denn sie tun Körper und Seele gut
Regelmässiger Kontakt mit Haustieren wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus – und dies natürlich nicht nur bei den älteren Semestern. Wenn einen ein wonniges Gefühl beim Schnurren einer Katze übermannt, oder wenn man mit seinem Hund kuschelt und dann spürt, wie das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet wird, so trägt dies zu einer starken Mensch-Tier-Bindung bei. Weitere positive Nebeneffekte treten ein beim täglichen Spaziergang mit dem vierbeinigen Freund (es genügen schon 20 bis 30 Minuten): Die Gelenke bleiben wunderbar beweglich, die Muskeln werden aktiviert, und auch das Sturzrisiko ist auf ein Mal nicht mehr so gross.
Doch sie bedeuten auch Herausforderungen für Senioren
Haustiere bringen auch Verpflichtungen mit sich – dieser Punkt sollte realistisch eingeschätzt werden. So können Tierarztkosten je nach Art und Alter des Tiers zum Teil beträchtlich ausfallen (auch mit einer allfälligen Tierversicherung). Nicht zu unterschätzen ist auch die Möglichkeit einer Krankheit der Besitzerin oder des Besitzers – denn wer organisiert die Tierbetreuung, falls die Einweisung in eine Pflegeinstitution nötig wird? Wer als Seniorin oder Senior bei solchen Fragen verunsichert ist, sollte vielleicht eine Tier-Patenschaft oder ein Besuchstier ins Auge fassen. Es muss ja nicht immer ein eigenes sein!
Und sollte man sich als ältere Personen, aus welchem Grund auch immer, komplett gegen ein Haustier entscheiden, so ist der Besuch eines Tierparks auch eine ganz gute Alternative, um zutrauliche Tiere anschauen und streicheln zu können. Hauptsache, man geht wieder einmal raus und kommt mit dem Leben in Berührung!