
Es ist denkbar, dass Roboter die Seniorenbetreuung künftig tiefgreifend verändern – vor allem durch Entlastung des Personals, aber auch durch mehr Sicherheit und Selbstständigkeit bei den betreuten Personen. Gleichzeitig bleibt die menschliche Betreuung zentral und unverzichtbar. Die Zukunft wird also eher durch eine noch grössere Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technik geprägt sein. Am ehesten wohl werden Roboter ältere Menschen unterstützen, dabei werden sie das Betreuungspersonal mehr ergänzen als ersetzen. Tatsächlich geht der Trend hin zu sogenannten «Assistenzrobotern» und/oder «Sozialrobotern», die Sicherheit, Alltagshilfe und soziale Unterstützung bieten.
Mehr Selbstständigkeit zuhause dank Robotern?
Viele ältere Menschen möchten möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben. Roboter können sie dabei unterstützen, zum Beispiel indem sie ihre Nutzer an die Einnahme von Medikamenter oder an bevorstehende Termine erinnern. Vielleicht können sie auch Hilfe beim Aufstehen oder Gehen leisten, oder sie können automatisch einen Notfall erkennen, etwa bei einem Sturz in der Wohnung. Weitere Möglichkeiten der intelligenten Haushaltsunterstützung mit Robotern sind Sprachsteuerung für Licht, Telefon oder Einkäufe. All dies kann es Seniorinnen und Senioren ermöglichen, länger unabhängig (und zuhause) zu bleiben. Japan gilt übrigens in diesen Anwendungsbereichen generell – sowie in der Entwicklung und Erforschung von Pflegerobotern im Besonderen – als weltweit führend. Dies insbesondere deshalb, weil dort besonders viele ältere Menschen leben.
Mehr Entlastung des Pflegepersonals dank Robotern?
Pflegekräfte verbringen viel Zeit mit körperlich schweren und anspruchsvollen organisatorischen Aufgaben zugunsten von betagten Menschen. Roboter könnten auch hier in Zukunft Erleichterung bringen – z.B. beim Transport von Essen oder Medikamenten. Auch könnten sie dem Pflegepersonal dabei helfen, Patienten zu heben und zu bewegen. Ebenso möglich: Roboter werden eingesetzt (in Zusammenarbeit mit Künstlicher Intelligenz/KI), um die Patientendokumentation zu automatisieren, Vitaldaten zu überwachen oder Kontrollgänge in Pflegeeinrichtungen zu übernehmen. Wie viel davon wird Wirklichkeit werden? Diese Frage kann ich als private Seniorenbetreuerin zwar nicht beantworten. Klar ist jedoch, dass gewisse dieser Entwicklungen eintreten werden. Und natürlich ich bin mir sicher, dass Roboter mehr Zeit für menschliche Pflege und Gespräche ermöglichen würden – wichtig für das psychiche Wohlbefinden und gegen die Einsamkeit von Seniorinnen und Senioren.
Mehr Schutz vor Einsamkeit dank Robotern?
Ich habe es soeben angetönt: Ein grosses Zukunftsthema ist die soziale Isolation, besonders bei älteren Menschen. Sozialroboter könnten hier zur Minderung des Problems beitragen. So sind sie zum Teil schon heute in der Lage, Gespräche zu führen, also von «Mensch» zu Mensch zu kommunizieren. Gut möglich, dass sie in Zukunft auch mit älteren Menschen Spiele spielen und/oder zu Musik tanzen. Auch werden sie sicher Videoanrufe mit der Familie erleichtern können und ihre betagten Gegenüber an Bewegung oder soziale Aktivitäten erinnern. Die Altersforscherin Sabina Misoch von der Berner Fachhochschule BFH beobachtet diese Entwicklungen international und will in ihrer Arbeit beantworten, ob Ähnliches auch in der Schweiz funktionieren könnte. Hier finden Sie den Artikel dazu.
Mehr künftige Herausforderungen – wegen Robotern?
Das Schweizer Gesundheitswesen verändert sich gerade stark: Spitäler, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachleute nutzen mehr und mehr die Künstliche Intelligenz (KI) und verarbeiten Gesundheitsdaten digital. Gleichzeitig verändern Roboter die Welt der Spitäler, Praxen und Institutionen, die sich der Pflege widmen. Es ist klar: Der Einsatz von KI bringt viele Vorteile mit sich. Zum Beispiel bei der Früherkennung von Krankheiten und generell für die Entlastung der Ärzte. KI analysiert Röntgenbilder und macht Diagnosen, steuert Smartwatches, Gesundheits-Apps sowie Pflege- und Assistenzroboter. KI kümmert sich um die digitale Patientenüberwachung und die automatische Dokumentation in Spitälern. Und natürlich steckt KI auch in den sogenannten Chatbots, die in der Telemedizin mit Patienten und betreuten Menschen kommunizieren. Auf der anderen Seite der KI-Medaille stehen jedoch viele ethische Fragen und Unsicherheiten: Was ist mit Datenschutz, Zugriff, Kontrolle?
Doch Fragen hin, Unsicherheiten her: Hierzulande wird fleissig in die sogenannte Digital Health und die entsprechende Forschung investiert. Ein grosser Teil der Fachleute ist überzeugt von den Vorteilen: Entlastung in der Administration, Effizienzgewinn im Gesundheitswesen, gerade beim Informationaustausch zwischen Institution und betroffenen Menschen. Aber vergessen wir nicht: Die eigenen Gesundheitsdaten sind nicht nur sehr wichtig, sie sind auch hochsensibel. Für sie gelten deshalb die sehr strengen Datenschutzregeln des Schweizer Datenschutzgesetzes (DSG). Diesem unterstehen übrigens auch KI-Systeme (und damit Roboter). Es ist also durchaus angebracht, sich auf deren Segnungen zu freuen. Es lohnt sich aber auch, wachsam zu bleiben, wenn es um personenbezogene Daten geht, die von all diesen Systemen verarbeitet werden!